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Aktiendepots & Co. – Wie aktiv sind Halle und der Saalekreis im Wertpapierhandel?

Der Kursverlauf an der Frankfurter Börse.

Der Kursverlauf an der Frankfurter Börse.

Das Vokabular ist komplex, die Händler gelten als raffgierig und unmenschlich und Aktienstürze haben die Weltwirtschaftskrise 1929 und die Weltfinanzkrise 2007 verursacht. Warum handeln wir also weiterhin mit Aktien und welche börsennotierten Unternehmen gibt es eigentlich bei uns?

Der schlechte Ruf von Aktien?

Erst wurde der bekannte Fahrradhersteller MIFA gerettet – die Aktien werden im Rahmen eines “Asset Deals” auf die Investorenfamilie Nathusius überschrieben. Doch wieso ging es MIFA überhaupt schlecht? Liegt es an den Aktien?

Zunächst erstmal gibt es nicht “die Aktien” und es gibt auch keine besten Aktien oder schlechtesten Aktien der Welt (auch wenn die Commerzbank-Aktie mit einem Verlust von über 95 % gern als solche gesehen wird).

Vokabular auf dem Börsenparkett: Depots, CFDs, Hebelwirkung etc.

Eigentlich gibt es nur drei wichtige Begriffe im Börsenvokabular: Kaufen, Verkaufen, Halten. So einfach, wie manche Broker bzw. klassische Werpapiermakler da gern zitiert werden, ist die Sache aber nicht.

Wie in allen Fachgebieten hat sich eine eigene Börsensprache herausgebildet, die vor allem mit englischen Fremdwörtern umzugehen weiß.

Benchmark

Eine Benchmark ist beispielsweise eine Richtgröße oder Orientierungspunkt bei Wertpapierdepots in Form von Indizes. Der DAX ist das bekannteste Beispiel, denn der Deutsche Aktien-Index ist wie die Wettervorhersage für Gesamtdeutschland: Sie fasst zusammen und gibt einen allgemeinen Trend.

Zeichnen

Wenn man nun bei einer Bank beraten wird und Aktien kauft – im Fachjargon zeichnet -, dann bekommt man meistens ein Depot, das heißt ein Mix aus verschiedenen Aktien verschiedener Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wie ein Früchtesalat in der Schüssel werden diese Aktien dann im Depot zusammengeworfen. Dieser Vorgang stellt die Aktien auf eine möglichst breite Basis und verhindert extreme Kursschwankungen. Das sind die einfachen Vorgänge im Aktienhandel.

Daytrading

Fachprofis arbeiten mit anderen und riskanteren Konzepten, wie Daytrading, CFD oder Piggy Trade, welche vielfach aus den Anfängen des Investmentbankings der 1980er stammen. Kurzfristiger, meist innerhalb eines Tages ablaufender Handel wird passend mit Daytrading (also Tageshandel) umschrieben. Dabei spekuliert man mit großen Summen, um aus geringen Kursschwankungen zu profitieren. Daytrading ist aufgrund der Schnelligkeit stark mit dem Aufstieg des digitalisierten Börsenhandels verknüpft.

CFDs

CFDs arbeitet mit Hebelwirkung, was enorme Gewinne erzeugen kann, aber auch von professionellen Beratern betreut werden sollte. Das Kürzel stammt aus dem Englischen von “contract for difference” und wird gern mit Differenzkontrakt übersetzt. CFDs setzen ein großes Vorwissen beim Investor voraus. Außerdem bergen sie ein hohes Verlust- und Folgerisiko, denn nicht nur das eingesetzte Kapital kann verloren gehen, sondern darüber hinaus können noch weitere Verpflichtungen entstehen.

Piggy Trade

Piggy Trade umschreibt den Handel mit Währungsschwankungen und basiert auf einem komplizierten System. In einem Land werden Anleihen zu niedrigen Zinsen aufgenommen, um in einem anderen Land mit hohen Sparzinsen angelegt zu werden. Aus der entstehenden Lücke profitiert der Anleger. Einige dieser hoch komplizierten und riskanten Geschäfte wurden, weil sie zu exzessiv und unkontrolliert durchgeführt wurden, als Gründe für die Finanzkrise 2007 herangezogen.

Doch unabhängig von Potenzial und Gefahr des Aktienhandels: Wie aktiv sind Halle und der Saalekreis beim Aktienhandel?

Halle und Saalekreis: Welche Unternehmen sind an der Börse?

Bereits die Zahl börsennotierter Unternehmen aus Sachsen-Anhalt ist sehr überschaubar. Aktiengesellschaften – abgekürzt AG – gibt es zwar einige, doch häufig verbleiben die Anteile in der Hand der Gründerfamilien oder die Unternehmen haben ihren Sitz gar nicht in Halle (Saale). Die Unternehmensgruppe GP Günter Papenburg AG (Logistik und Bau) etwa hat ihren Sitz in Hannover und oder die Sortech AG (Kältemaschinen für Klimatisierung und Kühlung) sitzt offiziell in München.

Vor Gründung der DDR und der daraus folgenden Enteignung vieler Unternehmer und Überführungen in das sogenannte Volkseigentum gab es verschiedene börsennotierte Unternehmen im heutigen Raum Halle-Saalekreis wie die Anhaltischen Kohlenwerke, den Karosseriehersteller Gottfried Lindner AG oder die A. Riebeck’schen Montanwerke.

Aktiengesellschaften mit Sitz in Halle (Saale)

Obwohl die Zahl von Unternehmen mit einem Sitz in Halle und an der Börse gehandelten Papieren überschaubar ist, klingen ihre Namen dennoch bekannt:

Halloren Schokoladenfabrik AG

Halloren - die älteste Schokoladenfabrik in Deutschland und börsennotiert.

Halloren – die älteste Schokoladenfabrik in Deutschland und börsennotiert.

Die Halloren Schokoladenfabrik AG ist seit dem Börsengang 2007 im Wertpapierhandel aktiv, musste zwar im letzten Jahr Einbußen hinnehmen, war zwischenzeitlich wieder auf einem steigenden Kurs, aber seit Anfang 2019 mehren sich Probleme, unter anderem angekündigte Kurzarbeit aufgrund schlechter Auftragslage. Die Einbußen lagen vor allem an strategischen Zukäufen, die zunächst refinanziert und neu durchorganisiert werden müssen. Die älteste Schokoladenfabrik Deutschlands ist für viele trotz aktueller Probleme ein Vorzeige-Unternehmen aus der Region und natürlich ein Aushängeschild.

Probiodrug AG

Jüngstes Mitglied dieses überschaubaren Clubs ist die Probiodrug AG, ein Pharmakonzern, der nach Medikamenten gegen Alzheimer forscht. Erst im Oktober 2014 ging man erfolgreich an die Amsterdamer Börse und nahm über 22,5 Millionen Euro als reine Kapitalerhöhung ein.

Aktiengesellschaften mit Sitz im Saalekreis

Noch kompakter ist die Liste von Unternehmen im Saalekreis. Zwar konnten wir einige wenige börsennotierte Unternehmen mit Sitz im Saalekreis finden, doch große Aktienkonzerne mit Niederlassungen gibt es dennoch zu einige verzeichnen: In Merseburg unterhält der Chemieriese BASF ein wichtiges Werk und der Autozulieferer Hella engagiert sich sehr stark in Querfurt.

Außerdem sitzt der gebürtige Merseburger Hauke Stars seit 2018 im Vorstand der Frankfurt Börse.

APK AG in Merseburg

Die Aluminium und Kunststoffe AG (kurz APK) ist spezialisiert auf die Produktion von Kunststoffgranulaten und verwendet hierfür verschiedenste Stoffströme. Mit einem effizienten Recyclingverfahren, dem patentierten Newcycling®, stellen sie äußerst hochwertige Granulate her, die in einer Vielzahl von Produktionsanwendungen Verwendung finden.

AGRAVIS Raiffeisen AG in Querfurt

Eigentlich stimmt es nicht, aber das Agrarunternehmen ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Region, daher zählen wir ihn hier ehrenhalber mit. Das Unternehmen selbst hat seinen Sitz in Münster und Hannover und beschäftigt sich mit Pflanzenbau, Tierhaltung, Landtechnik, Bauen, Märkte, Energie & Mobilität.

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Bildquellen: Börse (c) travel_aficionado/flickr.com, Halloren (c) Ralf Lotys/commons.wikimedia.org

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