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Landeszentrale für polit. Bildung: Bilanz 2020 – Neuen digitalen Schwerpunkt gesetzt

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  • 2020 war das Jahr der Corona-Krise und des Lockdowns.
  • Viele Angebote mussten deshalb ins Internet verlagert werden.
  • Auch die Landeszentrale für politische Bildung hat mit einer Podcastreihe und Livestreams einen digitalen Schwerpunkt gesetzt.

“Coronavirus hat vor ganz neue Herausforderungen gestellt”

Das unterstrich der Direktor der Landeszentrale, Maik Reichel, in seiner Jahresbilanz. Durch die Absage zahlreicher Veranstaltungen sei der Bedarf nach Gesprächsmöglichkeiten und nach einem inhaltlichen Austausch immens gewesen. „Wir haben deshalb unsere inhaltlichen Angebote verstärkt ins Internet verlagert, um einen Beitrag zur Meinungsbildung zu leisten“, so der Direktor. Dazu gab es unter dem Motto „Du bist Politik digital“ seit dem Frühjahr einen ganzen Strauß an Livestream-Veranstaltungen und Podcasts. Angefangen mit einem Gespräch über die Einschränkung der Freiheitsrechte in Corona-Zeiten ging es dabei um Verschwörungstheorien, Euro-Bonds, das EU-Krisenmanagement in der Finanzkrise oder „Rechte Egoshooter“. Ferner gab es Zeitzeugengespräche, Lesungen zum neuen Ostbewusstsein mit Valerie Schönian, aus „Marthe und Mathilde“ zur deutsch-französische Freundschaft oder die „Wolfszeit“ in Deutschland von 1945-1955 mit Harald Jähner sowie szenische Lesungen oder Ausstellungen. Selbst das Lesekonzert zum Gedenken an die Reichspogromnacht im November oder die Präsentation des Sachsen-Anhalt-Monitors am 10. Dezember sind zuletzt live im Internet übertragen worden.

Darüber hinaus hat die Landeszentrale auch ihre Präsenz in den sozialen Netzwerken deutlich erweitert. So ist in diesem Jahr erstmals ein Instagram-Adventskalender an den Start gegangen.

„Durch die verstärkte Präsenz konnten wir ein kontinuierliches Wachstum der Follower- bzw. Abonnenten-Zahlen generieren, allein bei Instagram sind die Nutzerzahlen im vergangenen Monat um 20 Prozent gestiegen“

Das betonte Reichel. Damit gehöre die Landeszentrale in Sachsen-Anhalt mit ihren Social-Media-Accounts zu den am stärksten wachsenden Digital-Angeboten der Landeszentralen bundesweit.

„Auch in Zukunft werden wir hier verstärkt auf die Vermittlung politischer Bildungsinhalte setzen, um mehr junge Menschen anzusprechen.“

Das gilt auch für den Bereich der Planspiele, die die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt und das EUROPE DIRECT Informationszentrum Sachsen-Anhalt / Magdeburg (EDIC) anbieten. Die Angebote, die bisher einen Schwerpunkt auf Europa gelegt haben, wurden in diesem Jahr um die Themen Landtag und Kommunalpolitik ergänzt. „Die Zeit des Corona-Lockdowns haben wir nun genutzt, um auch hier in die Digitalisierung voranzutreiben und für Schulen Angebote bereitstellen zu können“, so Reichel. Ende des ersten Quartals 2021 sollen die Planspiele zur EU-Klimapolitik, ‚Mitten drin im Landtag‘ und ‚Wahlleben‘ zur Kommunalpolitik digital vorliegen. Außerdem wurden sowohl die DokuLive-Präsentation des Politologen Ingo Espenschied als auch das EU-Pub-Quiz des EDIC ins Digitale übertragen.

30 Jahre Deutsche Einheit

Ein weiterer Schwerpunkt war das Jubiläum 30 Jahre Deutsche Einheit. Hier konnte die Landeszentrale am 24. September ihr zweieinhalbjähriges DDR-Geschichtsprojekt „Ermutigung“ mit einer Tagung in Magdeburg abschließen. Insgesamt sind mit den fast 50 Einzelveranstaltungen rund 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreicht worden. Zudem gab es im unmittelbaren zeitlichen Umfeld des 3. Oktober eine Comiclesung mit Wiebke “Zelba” Petersen, die in ihrem Buch „Im selben Boot“ die Deutsche Einheit auf eher ungewöhnliche Weise thematisiert. Ferner wurde in einer Podiumsdiskussion im Magdeburger Schauspielhaus unter dem Motto „Einheitstraum(a)“ die Rolle der Treuhand bei der Wiedervereinigung aufgegriffen.

Angesichts des antisemitischen Anschlags auf die Synagoge in Halle und den 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz hatte die Landeszentrale hier einen zusätzlichen inhaltlichen Akzent gesetzt. Ein besonderes Angebot war dabei die Ausstellung „Die Tänzerin von Auschwitz“ über die Lebensgeschichte der niederländischen Jüdin Roosje Glaser, die von Januar bis März von 4.300 Besucherinnen und Besuchern in der Stadtbibliothek Magdeburg angezogen hat. Darüber hinaus gab es eine Fortbildung zum Thema „Antijudaismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart“, der renommierte Antisemitismusforscher Wolfgang Benz befasste sich mit dem Antisemitismus in der DDR, die Ausstellung „Auschwitz.75 Jahre danach“ zeigte in Merseburg Arbeiten von Schülerinnen und Schülern zum Thema und im Herbst referierte der Historiker und Publizist Gölz Aly über den „modernen und heutigen Antisemitismus“.

Auch die erinnerungskulturelle Arbeit fand ihre Fortsetzung. Durch die aktuellen Einschränkungen konnten zwar nur 44 der ursprünglich 153 beantragten Gedenkstättenfahrten im Land realisiert werden. Dafür erhielten jedoch alle weiterführenden Schulen im Land ein Materialpaket mit dem neuen Dokumentarfilm „Fragt heute“ und dem Lesebuch „Du stehst dort“. Mit der Gastspielreihe des Klassenzimmerstückes „Im Frühling hat man keine Lust zu sterben!“ über Abschiedsbriefe von Frauen in der Todeszelle (1943-1945) sind zudem zwischen März und Dezember mehr als 650 Schülerinnen und Schüler an insgesamt 23 Schulen erreicht worden.

Schließlich konnte die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Museum im polnischen Treblinka mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung am 31. Juli gefestigt werden. Es handelte sich hier um die erste institutionalisierte Kooperation der KZ-Gedenkstätte mit einer deutschen Bildungseinrichtung. „Auch das war ein Erfolg für unsere intensive historische Bildungsarbeit an dieser Stelle“, so der Direktor.

Weitere Angebote im Fokus

Ebenfalls fortgesetzt werden konnten die Angebote in der Extremismusprävention. So hat der angesehene Buchautor und Rechtsextremismus-Experte Andreas Speit bei einer Leserreise durch Sachsen-Anhalt über neue Formen des völkischen Nationalismus informiert und aufgezeigt, wie rechte Siedler den ländlichen Raum als Aktionsfeld nutzen. Dazu hat er neben den Lesungen in Magdeburg und Halle auch in Quedlinburg, Querfurt und Stendal Station gemacht. „Hier sind wir nicht nur vor Ort präsent gewesen, es hat auch eine Diskussion über und mit Vertretern dieser Strömungen gegeben.“ Mit dem sehr aktuellen Phänomen von Verschwörungstheorien hat sich zudem die Autorin Katharina Nocun bei zwei Lesungen aus ihrem Buch „Fake Facts“ im September befasst.

Trotz der Einschränkungen in der Corona-Pandemie ist auch das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ wieder ein Stück gewachsen. Zwei Grundschulen sind im Jahr 2020 neu dazugekommen, weitere Schulen befinden sich im Anerkennungsverfahren oder haben bereits die Anerkennung in der Tasche, nur eine Titelverleihung ist hier noch nicht möglich gewesen. „Zwar mussten wir aufgrund der geltenden Hygienebestimmungen in den Schulen auf unseren traditionellen Landestag mit rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern verzichten“, so Landeskoordinatorin Cornelia Habisch. Dafür habe es jedoch ein Auftaktkonzert zum neuen Schuljahr mit der Martin Rühmann Band gegeben und eine CD speziell für die Grundschulen im Netzwerk. „Im nächsten Jahr wollen wir nun die letzte Lücke bei den Regionalkoordinationen im Burgenlandkreis schließen: Dann haben wir in allen Landkreisen und kreisfreien Städte regionale Ansprechpartner für die Schulen.“

Anne Frank als Graphic Novel

In der Literaturstelle zählten das „Tagebuch der Anne Frank“ als Graphic Novel (ernsthafte Variante eines Comics), die „Stadtgeschichte auf Fotografien – Halle (Saale) im 20. Jahrhundert“, „Die Geschichte von Lili Elbe – Ein Mensch wechselt sein Geschlecht“ sowie „Rechte Egoshooter – Von der virtuellen Hetze zum Livestream-Attentat“ zu den gefragtesten Titeln. Das gilt auch für das Buch „Sachsen-Anhalt – Eine politische Landeskunde“, das im neuen Jahr in einer erweiterten Auflage erscheinen wird.

Auch die Wanderausstellungen „Sachsen-Anhalt –Traditionell weltoffen“ und „Benutzt und gefeiert“ zum Magdeburger Recht im 20. und 21. Jahrhundert machten 2020 trotz bestehender Einschränkungen an verschiedenen Orten Station. Von April bis September war „Traditionell weltoffen“ im Landeshauptarchiv am Standort Merseburg zu sehen, bis Anfang Dezember dann im Amtsgericht Zeitz. Bis August konnte die Wanderausstellung „Benutzt und gefeiert“ im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg besichtigt werden, danach war sie von September bis Dezember in Naumburg zu sehen. „Auch hier hoffen wir auf eine Fortsetzung und weitere Ausstellungen im nächsten Jahr“, so Reichel.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

  • Maik Reichel, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung,
  • Tel.: 0391 / 567-6450, mob.: +49 1517 270 33 87
  • E-Mail: maik.reichel@sachsen-anhalt.de

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